Jugendarbeit auf dem Land muss sich mit rechten Orientierungen bei Jugendlichen auf eine eigene Art und Weise auseinandersetzen. Dabei sind gerade die erwachsenen Betreuungspersonen zur Orientierung und Auseinandersetzung besonders gefragt, wurde Ende Juni anlässlich eines Erfahrungsaustauschs der Kreisjugendförderung festgestellt.
In loser Folge treffen sich Mitarbeiter der Jugendarbeit, Schulvertreter, Politiker, Initiativen und Träger der Jugendhilfe auf Einladung der Jugendförderung des Werra-Meißner-Kreises um sich mit rechten Orientierungen und Rechtsextremismus in lokalen Bezügen auseinander zu setzen. Bislang hat sich die Gruppe mit der Gründung von Aktionsbündnissen, Ausdrucksformen von rechter Kultur und der Entwicklung rechter Einstellungen befasst.
Thema des aktuellen Treffens war die Auseinandersetzung mit rechten Einstellungen vor dem Hintergrund ländlicher Lebensbedingungen. Dabei stand mit Björn Redmann von der Landjugend in Sachsen ein ebenso kompetenter wie in der Praxis erfahrener Referent für die Diskussionen zur Verfügung.
Als strukturellen Besonderheiten skizzierte er zunächst traditionelle, konservative und auch ausgrenzende Einstellungen und die geringe Dichte an fachlichen Ressourcen als typische Merkmale, die in einer ländlichen Jugendarbeit anzutreffen seien. Enge Verbindungen aller Akteure, Vielfalt der Vereine und Verbände und eine allgemein wertschätzende Einstellung gegenüber Jugend beschreiben positive Rahmenbedingungen und Chancen. So seinen im ländlichen Raum oft rechte Standpunkte anzutreffen, gleichzeitig aber sei Rechtsextremismus selten ein Thema.
Für Redmann ist die konsequente Entwicklung einer demokratischen Kultur in der Jugendarbeit der entscheidende Weg, um einer rechten Orientierung den Boden zu entziehen. Dabei kommt es darauf an, dass die Erwachsenen im Umfeld der Jugendlichen Vorbilder seien, die Demokratie in möglichst vielen Lebensbereichen umsetzen. Menschenwürde, Freiheit, Solidarität und Grundrechte müssten dabei die Orientierungspunkte sein.
Für die Jugendarbeit heißt dies dem Jugendlichen sowohl Zuspruch wie auch Widerspruch zukommen zu lassen. „Meinungsfreiheit“, so Redmann, „bedeutet dann nicht, Jugendlichen bestimmte Aussagen zu verbieten, sondern sich mit deren Inhalten und den Jugendlichen selbst kritisch zu konfrontieren.“
Vor diesen Hintergrund skizzierte Björn Redmann fachliche Standards einer guten Jugendarbeit wie u. a. eine konsequente Beteiligung, authentische Betreuungspersonen, eine zielorientierte Planung, das Aufzeigen von Grenzen und die Einbindung in den Sozialraum.
In der anschließenden Diskussion fanden Redmann Thesen überwiegend Zustimmung und konnten mit Beispielen aus dem Alltag der Jugendarbeit im Kreis untermauert werden. Gerade die Ideen von Grenzen verbunden mit authentischer Zuwendung und die Überprüfung der eigenen Arbeit auf konsequent umgesetzte Demokratie schufen bei den Teilnehmenden viel neu Ideen für die eigene Arbeit.
Eine Fortsetzung der Reihe ist für den Herbst geplant und wird sich mit Präventionsangeboten der großen Verbände wie dem Beratungsteam im Sport oder dem "Braunmelder" der Jugendfeuerwehren beschäftigen.
Interessenten, die zu den Erfahrungsaustauschen eingeladen werden möchten, können sich an die Jugendförderung des Werra-Meißner-Kreises, Schlossplatz 1, 37269 Eschwege, Tel.: 05651 302-1451 wenden. |