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Aufbruchstimmung beim Fachtag Jugendhilfe (September 2006)

170 Vertreterinnen und Vertreter aus der Kommunalpolitik, Kindertagesstätten, Schulen, Beratungs- und Bildungseinrichtungen sowie dem Gesundheitswesen waren der Einladung zum Fachtag Jugendhilfe gefolgt. Die Veranstalter, die Liga der freien Wohlfahrtspflege und das Kreisjugendamt, bewerten die überaus gute Resonanz und das Interesse an den Themen Kinder, Jugend und Familie als großen Erfolg.

In seiner Begrüßung machte Landrat Reuß deutlich, dass neben den in den letzten Jahren im Werra-Meißner-Kreis eingeleiteten Maßnahmen, z. B.  zur Verbesserung der Betreuungssituation von Kindern und zur Stärkung von Familien, weitere Initiativen und Maßnahmen folgen müssen. „Ich bin der Auffassung, wir brauchen ein breites gesamtgesellschaftliches Engagement, wir brauchen die Unterstützung vieler gesellschaftlicher Kräfte und Akteure aus dem Landkreis. Das gesellschaftliche Klima für Familien muss schrittweise verbessert werden.“

Ziel der Veranstaltung war es, die unterschiedlichen Akteurinnen und Akteure zu informieren und zu sensibilisieren für die zukünftigen Herausforderungen in der Kinder- und Familienpolitik. Darüber hinaus wurden im Rahmen von Workshops gemeinsam Perspektiven und Ideen für den Werra-Meißner-Kreis entwickelt.

Hauptreferentin des Fachtages war Frau Prof. Dr. Uta Meier-Gräwe von der Universität Gießen. Sie war Mitglied einer hochkarätig besetzten Sachverständigen-Kommission, die im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend den 7. Familienbericht mit dem Titel "Familie zwischen Flexibilität und Verlässlichkeit" erstellt hat.

Der 7. Familienbericht untersucht die Situation von Familien im Lebensverlauf. Betrachtet werden der Wandel und die Stabilität von Familien sowie Veränderungen im Bereich Arbeit, Bildung und Wirtschaft. Daneben gehören die Geld- und Zeitökonomie von Familien, die Generationenbeziehungen zwischen Kindern, Eltern und Großeltern sowie die Veränderungen der Geschlechterrollen zu den Themenschwerpunkten des Familienberichts.

In ihrem sehr interessanten Vortrag machte Frau Meier-Gräwe sehr deutlich, dass auf der Ebene der Kommunalpolitik Familien nicht länger nur als Empfänger von Leistungen, sondern im Gegenteil als „Investoren“ gesehen und auch so behandelt werden müssten. „Nur die Kommunen, die dies begreifen und eine entsprechende Infrastruktur schaffen, haben eine Zukunft“, so die Referentin. Es müssten nicht nur qualitativ hochwertige Kinder-betreuungssysteme installiert, sondern auch neue Wohn- und Arbeitsformen entwickelt werden. Auch im Rahmen von Zeitpolitik lässt sich auf kommunaler Ebene viel für Familien bewegen. Die zentrale Botschaft des Familienberichts: Familien sind und bleiben die soziale Mitte unserer Gesellschaft.

Des weiteren begrüßen die Autorinnen und Autoren des 7. Familienberichtes ausdrücklich die Bundesinitiative „Lokale Bündnisse für Familie“ als neuartigen Ansatz, lokale Familienpolitik erfolgreich zu gestalten.

Im Rahmen von vier Workshops hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Fachtages Gelegenheit, sich sehr konkret den zukünftigen Herausforderungen zu stellen, sich über innovative Projekte aus anderen Regionen zu informieren und Perspektiven für den Werra-Meißner-Kreis zu entwickeln.

Im Workshop I „Frühe Hilfen für Kinder und ihre Familien“ berichteten die Referentinnen Annette Ruess und Gesa Bahr über Projekte aus ihren jeweiligen Arbeitsgebieten. Das Projekt „Eine Chance für Kinder“ aus Braunschweig verknüpft Hebammenhilfe mit Jugendhilfe. Das Projekt „Wellcome“ aus Hamburg beinhaltet praktische Hilfen für Mütter, die nach der Geburt besonderen Belastungen ausgesetzt sind, z. B. nach einer Zwillingsgeburt. Die Betreuung der Kinder erfolgt durch Ehrenamtliche, die Koordination in dem vorgestellten Projekt wird durch die Familienbildungsstätte durchgeführt. Als Ergebnis wurde u. a. von der Moderatorin Irma Bender, Leiterin der Ev. Familienbildungsstätte Eschwege festgehalten, das es im Werra-Meißner-Kreis einen Bedarf an niedrigschwelligen frühen Hilfen für Familien gibt.

Die Weiterentwicklung der Arbeit von Kindertagesstätten stand im Mittelpunkt des Workshops IV mit dem Titel: „Kitas als Eltern-Kind-Zentren im ländlichen Raum – Zukunft oder Utopie?“ Eingangsreferate von Ulrich Braun von der Stadt Recklinghausen und Uschi Faust-Lauer, Leiterin einer AWO-Kindertagesstätten in Hannover, machten deutlich, welche Vorteile zusätzliche Beratungs- und Bildungsangebote in einer Kindertagesstätten haben können. Zusammenfassend stellt die Moderatorin Ruth Schlegel-Brocke von der AWO-Bezirk Hessen-Nord fest, dass die vielen Vertreterinnen aus den Kindertagesstätten sich hier vor allem auch Unterstützung von den Verantwortlichen in Politik und Verwaltung wünschen.

Im Workshop III mit dem Thema „Regionale Bildungslandschaften – Warum und wie unterschiedliche Bildungsfelder miteinander verknüpft werden müssen?“ stand als Referent Dr. Heinz-Jürgen Stolz vom Deutschen Jugendinstitut in München zur Verfügung. Moderiert wurde der Workshop vom Jugendhilfeplaner Reiner Brill. Als ein Ergebnis wurde festgehalten, dass eine gemeinsame Fachplanung zwischen Schulentwicklungs- und Jugendhilfeplanung von Bedeutung sei, da die inhaltliche Ausgestaltung von Schule mit einer adäquaten Raumgestaltung eng zusammenhängt.

„Lokale Bündnisse für Familie – viele machen sich auf den Weg! Neue Chancen und Herausforderungen auch für unsere Region?“ Die zentrale Frage des Workshops kann nach ausführlicher Information und Diskussion im Workshop IV mit „Ja“ beantwortet werden. Als weiteres wesentliches Ergebnis konnte festgehalten werden, dass auch die Seniorenarbeit einen Platz in einen Bündnis für Familie finden soll. Als Referent stand der Jugendamtsleiter Klaus Ruffing aus dem Saarpfalzkreis zur Verfügung. Dort wird erfolgreich auf Kreisebene in einem Bündnis für Familie zusammengearbeitet. Die Arbeitsgruppe, in der vor allem Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitiker mitdiskutierten, wurde von der Jugendamtsleiterin Ilona Friedrich moderiert.

Landrat Reuß kündigt an, auch im Werra-Meißner-Kreis ein Bündnis für Familie auf den Weg bringen zu wollen. „Ich fühle mich durch die vielen Gespräche, die ich anlässlich der Veranstaltung geführt habe, motiviert und sage: „Ein Bündnis für Familie – wir sind dabei“.

September 2006